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"Ja, es ist möglich!"

Schon von Kindheit an begeisterten mich alles was mit Bewegung und Sport zu tun hatte. Der Kampfsport- Hype der 90er Jahre zog auch mich in seinen Bann, sodass ich im Alter von 8 Jahren mit Taekwondo begann. Durch Trainingsfleiss und Ehrgeiz erreichte ich den dreifachen schwarzen Gürtel (3.Dan). Die Sparte "Wettkampf" Vollkontakt faszinierte mich. Mit Talent und Eifer gewann ich auf Anhieb die Landesmeisterschaft (Rheinland-Pfalz/ Deutschland) in meiner Altersklasse. Durch herausragende Leistungen erhielt ich beinahe bei dieser ersten Turnierteilnahme den Zusatzpokal für die beste Kampftechnik. Überrascht was möglich ist und Stolz folgten in der Zeit nach dem Turniersieg. Erstmals wurde ich zum Landeskadertraining Rheinland-Pfalz eingeladen, wo ich zusammen mit den besten Athleten der Region gefördert wurde. Zudem war der Kader Trainer, Waldemar Helm (https://tci-homepage.eu/Ueber-uns/Trainer/Waldemar-Helm/)  zu der Zeit deutscher Nationaltrainer der Jugend. Auf mein Talent aufmerksam geworden, nahm Waldemar mich sogar zum Training der Jugendnationalmannschaft mit. Dort erlebte ich nochmals ein anderes Niveau auf dem trainiert und gekämpft wurde. Nach diversen Partnerübungen sassen alle Nationalkaderglieder einschliesslich mir im Kreis auf dem Boden und der Trainer rief nacheinander zwei Sportler zum Sparring auf die Kampffläche. Ich war schon dankbar, dass ich überhaupt bei der Elite mit trainieren durfte, aber jetzt ein Sparring mit einem der besten Kämpfern des Landes zu absolvieren , vor aller Augen wäre zu viel gewesen. Innerlich hoffte ich fest, nicht zum Sparring aufgerufen zu werden, denn ich merkte, dass ich da noch nicht mithalten konnte. Dem war auch so. Ehrleichtert und trotzdem begeistert von der Möglichkeit, diese Erfahrung und Chance zu bekommen, ging es zurück zum Heimatverein, wo das Trainingsniveau nicht so hoch gewesen war. 

In den folgenden Wettkämpfen musste ich durch diverse frustrierende Niederlagen erkennen, dass "Talent ohne harte Arbeit nichts bedeutet". Also begann ich als Jugendlicher intensiver zu trainieren. Ich besuchte bereits im frühen Teenager- Alter das Herren (Erwachsenentraining). Das Vollkontakttraining war an einem Tag so heftig, dass ich die Trainingsstunde weinend verlies. Ich hatte kaum eine Chance bei den älteren mitzuhalten. Sie liesen meine Angriffe ins leere laufen oder konterten mich geschikt aus. Mein damaliger Trainer; Azrin Mujanovic folgte mir und tröstete mich. Es schien, als wenn er mich von da an ins Herz schloss und mir all sein Wissen und seine Fähigkeiten in besonderer Weise vermittelte.

Die Tatsache, dass dieser Trainer an mich glaubte war für die kommende Zeit entscheidend für meine weitere sportliche Karriere. Ich wollte  unbedingt, besser, schneller, explosiver werden um weiter im Taekwondo zu kommen. Ich kam als erster in die Trainingsstunde und übte am Boxsack an meinen "Kicks". Ebenso ging ich als letzter aus der Trainingshalle, da ich ebenso Pratzen- oder  Sandsacktraining zusätzlich absolvierte. 

An den folgenden Turnieren gewann ich wieder die Landesmeisterschaft, sowie den Rheinland-Pfalz Pokal erstmalls nach zwei Jahren der Niederlagen. Der Landes-Kadertrainer, Waldemar Helm, wurde wieder auf mich aufmerksam und nominierte mich erneut in die Kaderauswahl vom Bundesland Rheinland-Pfalz um in meiner Gewichtsklasse an den internationalen Deutschen Meisterschaften in Schwabach 1999 teilzunehmen.  Nachdem ich im Vorjahr Sang- und Klanglos in der ersten Runde der deutschen Meisterschaft ausgeschieden war, hielt sich die Aufregeung bei diesem Mal in Grenzen. Nach zwei siegen schaffte ich es tatsächlich bis ins Halbfinale, bei dem ich dem amtierenden deutschen Meister deutlich unterlgen war (https://www.taekwondodata.com/benjamin-henek.a244.html#erfolge). Dennoch reichte es bis zum dritten Platz bei meinem ersten grossen, internationalen Turnier. 

"Wow", dachte ich. Fleiss wird belohnt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit kommen kann? Nun hab ich den Hauch einer Ahnung, was es braucht, um ganz oben mitzuhalten. Eines der wichtigsten Dinge, die es brauchte war "Mut". Keine Furcht vor grossen Namen in der Szene, vor Titelverteidigern aus den besten Vereinen Deutschlands. Ich erinnere mich noch an die erste Teilnahme an den deutschen Meisterschaften 1998. Mein erster Gegner war ebenfalls Träger des schwarzen Gürtels und zudem asiatischer Herrkunft. Diese Kombination allein genügte, um mir zittrige Knie zu bescherren. Der Kampfe verlief entsprächend und vor lauter ehrfurcht traute ich mich gar nicht einen Angriff zu starten um Trefferpunkte zu sammeln. Im nachhinein wurde mir klar, dass ich es nicht mal probiert hatte, alleine aus Furcht. Der Leistungssport gab mir besondere Lektionen fürs Leben. Oft probieren man gewisse Dinge gar nicht erst aus, weil man fürchtet zu scheitern. Vielleicht haben einem die Eltern oder ander Menschen aus dem Umfeld gesagt, dass man nicht gut genug sei. Vielleicht hat einen das Umfeld eingeschüchtert, in dem in unserer heutigen "Ellenbogengesellschafft" andere Vordrängeln. Vielleicht hat man seinen Traum aufgegeben, weil andere Traumdiebe um uns herum uns den Mut genommen haben. Der Wettkampf lehrt viele Tugenden: Der Gewinner, darf sich freuen und jubeln mit dem Wissen, dass dem Hochmut, der Fall folgt. Der Verlierer kann lernen, die Niederlage als Vorteil umzukehren und stärker wieder zurückzukommen. Derjenige aber, der gar nicht erst versucht für seinne Ziele zu kämpfen oder sein bestes zu geben, der hat schon verloren bevor er anfängt.

Im folgenden Jahr gewann ich wieder den Landesmeistertitel auf regionaler Ebene und zudem kam ich bei den German Open 2000 in Berlin bis ins Finale, bei dem ich vor lauter Verwunderung dessen, dass ich mich zum Vorjahr nochmal verbessern konnte vergessen hatte zu kämpfen. Ich hatte mich dermassen unterschätzt, dass ich ebenfalls schon vor dem Kampf zufrieden mit dem 2. Platz gewesen bin. Nachdem ich Halbfinale schon den amtierenden deutschen Meister im Taekwondo besiegte führte es bei mir nicht zum Übermut, wie man annehmen könnte, sondern zu Verwunderung. Den ich, der ich aus einem kleinen in der Taekwondo- Szene bedeutungslosen Verein aus Mainz gekommen war, besigte den deutschen Meister nach Punkten! Innerlich freute ich mich, ohne zu begreifen, dass noch mehr drinn gewesen war. Gemeinsam mit den anderen Athleten aus Rheinland-Pfalz besuchten wir noch das Brandenburger Tor, machten Fotos und feierten  unseren Erfolg. Zuhause angekommen feierte mein Jüngere Bruder zusammen mit unserer Familie seine Erstkominion. Meine gesammte Familie erhielt schon telefonisch darüber bescheid, dass das Turnier entsprechend erfolgreich gelaufen war. Gemeinsam fertigten sie ein grossen Plakat an, auf dem stand grossgeschrieben: " Wir sind stolz auf dich Benjamin" und hingen es an das Eingangstor. Es war ein besonderer Tag für mich. Im nachhinein erfuhr ich, dass mein schon viel zu früh verstorbener Trainer Azrin Mujanovic an dem gleichen Tag Geburtstag hätte. Er hätte sich bestimmt riesig für mich gefreut. Wenn mein Trainer  Azrin, sowie meine Eltern  nicht an mich geglaubt hätten, hätte ich diesen Erfolg sicher nicht geschafft. Dies prägte mein weiteres Leben nachhaltig, sodass ich bis heute meinen eigenen Kinder stets mit vollem Glauben an sie begegne. Ich sage meinen Kindern dann: "Wenn ihr etwas wirklich wollt und gerne macht, dann müsst ihr dafür kämpfen und euch nicht verunsichern lassen. Wenn ihr hart daran arbeitet, könnt ihr alles schaffen, was ihr euch vornehmt! Ich glaube an euch!" Es sind Dinge möglich, die man sich nicht vorstellen kann. Manches fängt klein an und wird später grösser als man es erwartet. Gerade die, die unterschätzt werden, können es weiter schaffen als Aussenstehende erwarten. Der Faktor Wille, Mut und Glaube sind entscheidend für den Erfolg.

Nun ging es im Taekwondo Training weiter. Was folgt auf den 2. Platz? Natürlich der 1. Platz. Welche Möglichkeiten hätte der amtierende deutsche Meister? Natürlich, die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Eine Idee war geboren. Wenn doch nun das Erreichen des Finales beim wichtigsten deutschen Turnier möglich war und zuvor auch schon der Titelverteidiger durch mich besiegt worden war. Was hindert es mich im kommenden Jahr das Turnier zu gewinnen und in die Nationalmannschaft berufen zu werden? Warum sollte ich weiter so demütig und  zurückhaltend sein es nicht weiter zu wagen? Könnte ich nicht eines Tages bei den olympischen Spielen Deutschland representieren und vielleicht singend auf dem Treppchen stehen während die Fahne meines Landes am Mast hochgezogen wird und mir eine Medaillie um den Hals gehängt wird? Der Glaube das es möglich war keimte in meinem Herzen und mit doppelter Motivation ging ich ans Training. Meinen Traum verriet ich niemanden. Ich wollte nicht, dass mir jemand meinen Traum stielt. Denn es waren ja so häufig Traumdiebe bei den anderen unterwegs, die ihnen sagten, dass sie nicht gut genug für etws seien. So zumindest hatte ich es zum Teil an meiner Schule, im Freundeskreis und meinem Umfeld erlebt. Doch ich hatte ja noch meine Eltern die an mich glaubten und mein anderer Trainer, der noch lebte. Sie alle glaubten an mich und das gab mir Kraft. doch was wäre, wenn ich jemanden meinen Traum der Teilnahme an den olympischen Spielen erzählen würde und er würde mich auslachen? Würde ich dann einknicken, den Mut verlieren? Das verunsicherte mich, sodass ich mein geheimes Ziel für mich behielt. Ich verstand in dieser Zeit, dass alles möglich war, wenn man einfach probiert, sein bestes gibt dann gehen die Türen irgendwann auf. Manchmal muss man die Türklinke öfter drücken und irgendwann geht die Tür auf. Meine Überzeugung war, dass man mit Konsistenz und wenn man etws immer wieder probiert es schaffen kann. Nicht aufgeben, immer drann bleiben, dann klappt es irgendwan war die Devise. Ja, es begeisterte mich, dass scheinbar alles möglich war. 

Nach dem plötzlichen Tod meines Wettkampftrainers Azrin Mujanovic beruf mich der Cheftrainer meines Vereins als Nachfolger den Trainerposten für Azrin zu übernehmen. Diese Aufgabe schien als zu gross für mich zu sein. Ja, ich war zwar fleissig und hatte ein paar Erfolge aber als 15-jähriger vor den ganzen Erwachsenen zu stehen und sie anzuleiten, schien mir als eher schüchterner Jugendlicher zu viel. Weinend verlies ich wieder dan Empfangsraum der Trainingshalle. Zum einen sitzte der Tod von Azrin noch tief in mir und zum andern fühlte ich mich nicht würdig, diese Aufgabe anzunehmen. Azrin war noch auf einem andern Level als ich. Seine Technik war dermassen ackurat, schnell und spektakulär das ich lange Zeit niemanden kannte, der bei ihm mithalten konnte. Bei einem Vergleichskampf zwischen der Region Rheinland-Pfalz und Korea, dem Herrkunftland des Taekwondo war Azrin Mujanovic überraschenderweise der einzige Athlet unter allen antretenden Gewichtsklassen, der seinen Kampf gewann. Er besiegte bei diesem Vegleichskampf den amtierenden Militär-Weltmeister. Mir war bewusst, dass ich einen aussergewöhnlichen Trainer mit enormen Fähigkeiten hatte und nun sollte ich an seiner Stelle stehen? Peter Geuder, der Cheftrainer betonte, dass ich sein bester Schüler war und das Azrin immer voller Stolz von mir erzählte. Er hätte auch gewollt, dass ich dieser Aufgabe für ihn übernehme. Gerade diese Worte brachten mir wieder Tränen in die Augen. Den gerade Azrin war derjenige, der an mich glaubte. Ihm hatte ich den Erfolg zu verdanken. Welche Ehre war es doch, dass ich das Amt des Wettkampftrainers übernehmen sollte. Ich lies mich überreden und stand schliesslich mit 15 Jahren vor einer Trainingsgruppe mit über 30-, 40 und 50 Jährigen. Ich übernahm den Trainingsstil meines verstorbenen Trainers und versuchte meiner Aufgabe gerecht zu werden. Während meine gleichaltrigen Freunde aus dem Verein Spass machten und miteinander scherzten musste ich aufeinmal Verantwortung übernehmen. Die Fussstapfen die mein verstorbener Trainer hinterlies waren gross, vor allem deshalb, weil er es schaffte Leidenschafft und eisernen Willen auf seine Schüller zu übertragen. Er schaffte es mit solch einer zuversicht andere im Training zu motivieren, dass stets eine besondere ehrfurchterregende und zugleich anspornende Athmosphäre herrschte. Einmal waren wir zusammen in einem Zeltlager bei dem wir im Wald Feuerholz suchten. Nachdem wir alle brauchbaren Stämme gesammelt hatten, brachte Azrin den Vorschlag einen 1,5 Meter hohen relativ dicken an der Spitze abgebrochenen Baumstumpf mit sidekicks zu fällen. Wir waren drei Jugendliche und unser Trainer gemeinsam am gegentreten gegen den Baumstumpf. Mehrere Minute bearbeiteten wir das Holz. Mehrfach dachte ich, was wir da eigentlich machen? Wir treten schon eine ganze Weile gegen den Stumpf und dieser wackelte scheinbar nur gering. Ich erinnere mich, wie ich mehrmals vorschlug, dass ganz abzubrechen, weil es keinen sinn hätte und wir es nicht schaffen würden. doch Azrin machte immer weiter. Wie konnte man so ausdauernd sein, wenn doch der Baumstumpf sich scheinbar nur wenig bewegte. Wir Jugendliche sassen irgendwann nebenbei am Boden, etwas ausser Atem während unser Trainer weiter mit intensiven front kicks gegen den Baumstamm trat. Er hörte nicht auf, wurde scheinbar nie müde. Nach einer weile bat er zwei von uns an dem einen Ende zu ziehen, während die anderen von der anderen Seite mit dem Fuss und Körpergewicht gegen den Baumstumpf drückten. Aufeinmal knickte der so dick zu sein scheindende Baumstumpf plötzlich um "knack": Ein jubbeln stieg in den Himmel "ja, wir haben es geschafft". Ich erinnere mich, dass wir Jugendlichen aus dem staunen gar nicht mehr rausgekommen sind. Wir haben zwar mit gekickt, aber wirklich geglaubt, dass wir das Ding fällen habe wir nicht. Und wieder hat Azrin daran geglaubt. Er hat an sich und uns geglaubt und es wirklich geschafft. alleine oder mit anderen hätten wir es nicht einmal probiert, den Baumstamm mit den Füssen zu fällen. 

Azrin war aussergewöhnlich. während beim Fussball andere hochsprangen und einen Kopfball machten um an den Ball zu kommen, hob er sein Bein nahezu senkrecht nach oben und traff den Ball im exakt richtigen Moment mit dem Fuss mit einer solchen Kraft, dass der Torwart keine Chance hatte ihn zu halten. Ich hab noch nie einen vergleichbaren Athleten wie Azrin gesehen. Viel zu Schade, dass er so früh von uns gegangen ist.


Vorwort zur Biographie von Benjamin Henek

"Ja,es ist möglich!" 

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  • „... trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl – Ein weltbekannter Klassiker über die Sinnfindung und das Überleben in einem Konzentrationslager. [1]
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  • „Hier ist noch alles möglich“ von Gianna Molinari – Ein preisgekrönter Debütroman einer Schweizer Autorin. [1, 2]
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